1. Januar 1862, Hauteville-House:

Eine Gesellschaft, die das Elend zulässt,
eine Religion, die eine Hölle zulässt,
eine Humanität, die den Krieg zulässt,
erscheint mir minderwertig.

Mit dem ganzen Willen, den ich besitze,
wollte ich die menschliche Fatalität zerstören,
ich verdamme die Sklaverei, verjage das Elend,
ich behandle die Krankheit, ich erhelle die Nacht,
ich hasse den Hass.
So bin ich - und darum habe ich Les Misérables geschrieben.

Solange es durch die Schuld der Gesetze und Sitten eine Verdammnis gibt,
die noch im Schoße der Kultur künstlich Höllen schafft,
weil sie das Schicksal, das göttlich ist, mit menschlichem Verhängnis mischt,
solange die drei Probleme unseres Jahrhunderts,
die Entwürdigung des Mannes durch ein proletarisches Dasein,
die Erniedrigung der Frau durch den Hunger,
die Verkümmerung des Kindes durch ein umnachtetes Leben, nicht gelöst sind,
solange in gewissen Gegenden noch der gesellschaftliche Erstickungstod möglich ist,
oder, mit anderen Worten und von einem noch höheren Gesichtspunkt aus:
solange auf Erden Unwissenheit und Elend herrschen,
werden Bücher wie das vorliegende nicht überflüssig sein.

Für mich ist Les Misérables ein Buch, das als Fundament
die Brüderlichkeit und als Gipfel den Fortschritt hat.

Victor Hugo
Victor Hugo